von Julia Auras, 1. Vorsitzende der Nabu Ortsgruppe Bad Eilsen – Obernkirchen
Biber wurden vor über 200 Jahren in weiten Teilen Deutschlands, auch in Schaumburg, vom Menschen ausgerottet. Ihr dichter Pelz wurde zu Hüten und wasserdichten Mänteln verarbeitet. Das Fleisch war eine beliebte Fastenspeise, denn wegen ihres Schuppenschwanzes wurden Biber kurzerhand als Fisch deklariert. Außerdem wurde der Duftstoff, den Biber zur Reviermarkierung selbst produzieren, zur Parfümherstellung und als Heilmittel geschätzt. Nur an der Elbe überlebten wenige Biber die gnadenlose Jagd. Doch seit einigen Jahren breiten sich die Biber von dort aus langsam wieder aus. Sind nun auch in Schaumburg wieder angekommen und besiedeln hier bereits mehrere Gewässer. Dabei sind Biber nicht allzu wählerisch. Vom schmalen Bach über die breite Weser bis hin zu großen Seen ist dem Nagetier jeder Lebensraum recht, sofern es genügend Weidenbäume als Nahrung gibt.
Biber gehören wie Mäuse, Eichhörnchen und Hamster zu den Nagetieren. Ihre langen, orangen Nagezähne sind lebenslang nachwachsend und bleiben immer scharf. Mit 1m Körperlänge, einem 30cm langen Schwanz und ihrer rundlichen Figur sind Biber recht stattliche Tiere und sogar die zweitgrößten Nagetiere der Erde! Ihren schuppenbedeckten Schwanz, die sogenannte Kelle, benutzen Biber als Steuerruder beim Schwimmen, als Sitzpolster, als Fettdepot für schlechte Zeiten und als Warnsignal, wenn sie damit ärgerlich auf das Wasser schlagen. Während an den Vorderbeinen richtige kleine Hände zum Greifen sitzen, sind die Hinterfüße mit Schwimmhäuten ausgestattet. Biber können zwar nicht allzu gut sehen, aber sehr gut hören und riechen. Im trüben Wasser finden sie sich ohnehin mit ihren Tasthaaren zurecht.
Biber sind Rohkostveganer und ein erwachsener Biber verspeist täglich 1,5 kg Pflanzen. Auf dem Speiseplan stehen mehr als 300 Pflanzenarten. Im Sommer bevorzugt der Biber zarte Kräuter und Wasserpflanzen, vom Löwenzahn bis zur Seerose. Im Winter knabbert er an Weiden, notfalls aber auch an anderen Bäumen. Wenn ein Biber mit seinen Nagezähnen einen Baum gefällt hat, frisst er zunächst die zarte Rinde an den jungen Zweigen, danach auch die übrige, vermutlich etwas zähe Rinde. Anschließend zerlegt er die dickeren Äste und später auch den Baumstamm in handliche Abschnitte und transportiert diese schwimmend an ihren Bestimmungsort. Die entrindeten Äste verwertet der Biber als Baumaterial für seinen Damm oder seine Burg. Weiden treiben übrigens, nachdem sie Opfer eines Biber-Festmahls geworden sind, mit unzähligen Trieben neu aus, so dass immer wieder ausreichend Futter nachwächst und der Baumbestand langfristig erhalten bleibt.
Ein Biber benötigt zum Schwimmen eine gewisse Wassertiefe. Aus Sicherheitsgründen legt er großen Wert darauf, dass auch der Eingang zu seinem Bau immer unter Wasser liegt. Was nicht passt, wird passend gemacht! In flacheren Bächen baut der Biber deswegen einen Damm aus Ästen und Schlamm und staut damit das Wasser etwas auf. Dadurch können kleinere Teiche mit ruhigerem Wasser entstehen, in denen sich schnell weiteres Leben ansiedelt, z.B. Sumpfpflanzen, Amphibien und Wasservögel. Durch seine fleißigen Aktivitäten erschafft der Biber auch neue Lebensräume und Laichplätze für verschiedene Fischarten oberhalb und unterhalb des Damms, wobei der Damm das Wasser filtert und mit Sauerstoff anreichert.
In der Erde der Uferböschung gräbt sich der Biber eine geräumige Wohnung mit einem behaglichen, trockenen Schlafplatz und einem Teppich aus Holzspänen. Erst, wenn das Dach der Wohnhöhle eines Tages undicht wird, beginnt der Biber damit, Äste darauf zu schichten.
Biber sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber schlafen und kuscheln sie im Bau und pflegen hingebungsvoll ihren Pelz. Bibermänner und -frauen sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Die Partner bleiben ihr Leben lang zusammen. Von Januar bis März findet die Paarung im Wasser statt. Im Mai werden 2 bis 3, manchmal sogar bis zu 6 Junge geboren. Sie sind bereits flauschig behaart und können sehen und schwimmen, aber noch nicht tauchen. Der Biber-Nachwuchs des vergangenen Jahres hilft bei der Pflege und Erziehung der jüngeren Geschwister fleißig mit. Nach spätestens 2 Jahren werden Jungbiber aber meistens von ihren Eltern aus dem Revier vertrieben, wobei Biber nicht gerade zimperlich miteinander umgehen. Biber können etwa 20 Jahre alt werden.
Biber und ihre Reviere stehen unter strengem Naturschutz. Die Zerstörung eines Dammes oder einer Burg sowie das Fangen oder Töten eines Bibers sind gesetzlich verboten. Biber haben es trotzdem nicht leicht und sind vielen Gefahren ausgesetzt. Freilaufende Hunde stören Biber und stellen insbesondere für Jungtiere eine ernste Gefahr dar. Müll in Gewässern ist ein großes Problem und durch die Wasserverschmutzung infizieren sich Wunden leicht, was zum Tode führen kann. Wenn sich abenteuerlustige Jungbiber auf den Weg machen, um ein eigenes Revier zu finden, wandern sie oft über Land, wobei sie häufig dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Gewässer, deren Ufer mit Steinen befestigt sind oder an denen keine Weiden wachsen, kommen als Biberlebensraum gar nicht erst in Frage.
Wir können dem Biber aber das Leben erheblich erleichtern, indem wir ihm einfach etwas Platz lassen. Biber entfernen sich nur selten weiter als 10m vom Ufer des Gewässers, an dem sie leben. Wenn Gewässerrandstreifen naturbelassen sind, können hier Weiden und leckere Kräuter als Nahrung wachsen und der Biber kann sich in Ruhe und Frieden in seinem unterirdischen Bau einrichten.
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