Der Biber und sein Damm

von Torsten Kreuter, European Tree Technican (EAC), Baumkontrolleur und praktizierender Biberist.

So ist er nun da, hier im Schaumburger Land, ein Ureinwohner, welcher sich seinen Lebensraum gestaltet.

Als eines der wenigen Lebewesen, welches neben dem Menschen, aktiv seinen Lebensraum gestaltet und auch erschafft, sind unsere Schaumburger Biber fleißig und emsig die Nacht über bis(s) in die frühen Morgenstunden beschäftigt.

Aber wie ist das denn eigentlich nun? Der Biber baut ja Dämme und staut dabei Gewässer an, manchmal bilden sich regelrechte Teiche. Müssen wir denn bald alle nur noch Reis essen und unsere Häuser auf Pfählen errichten, werden dann nicht weite Teile der Landschaft überschwemmt und unsere Landwirte kommen nur noch rudernd, anstatt „hoch zu Trecker“ zum Feld?

Tja, wir hier in Schaumburg kennen das ja nicht. Sicherlich gibt es hier viele verschiedene Meinungen und Ideen, was da jetzt auf uns zukommt.

Zum Glück können wir hier auf Erfahrungen zurückgreifen, die mutige Länder bereits für uns gesammelt haben.

Sogar die Wissenschaft, hier in Form der Technischen Universität München hat sich diesem Thema gewidmet und hier in einer ganzheitlichen Betrachtung, das Thema Biberdämme in Ihre umfangreiche Gewässermodellierung im Rahmen des Hochwasserschutzes einfließen lassen.

Aber fangen wir doch bei der Betrachtung einmal ganz von vorne an:

Warum baut der Biber eigentlich einen Damm? Das ist ja nun anstrengend und auch gefährlich, schließlich fällt er das dafür benötigte Bauholz selbst und zwar ohne Helm und Schnittschutzhose, nur mit der Kraft seiner, mit Eisen gehärteten Zähne. (Männer dürfen jetzt beim Lesen des letzten Absatzes den aufkommenden Testosteronstrom genießen)

Der Biber arbeitet nach dem Motto: „work smart not hard“ und außerdem ist er ein ausgezeichneter Schwimmer und Taucher.

Grund Nummer 1!:

Das ist die Sicherung seiner Burg.

Der Eingang seiner Wohnhöhle oder der Biberburg liegt zum Schutz der Jungen unter Wasser.

Zusätzlich ist es für ihn einfacher das Baumaterial für seine Biberburg oder auch Nahrung über das Wasser zu transportieren. Hier kann er bei Bedrohung schnell abtauchen und muss Äste und Stämme nicht erst anstrengend über das Land schlurren, außerdem kann er mit seinem Gewicht von bis zu 40kg bei 1 m Körperlänge sich besser im Wasser bewegen, (Ja der ein oder andere Leser kann das evtl. nachvollziehen) und schnell seine Futtergebiete erreichen.

Am liebsten hat er eine Mindestwassertiefe von 50-70cm, welche er auch im Bedarfsfall entsprechend reguliert.

Den dafür benötigten Wasserspiegel schafft er halt einfach selber, in dem er einen Damm baut.

Durch und durch Handwerker, handelt er hier halt nach dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht“.

Das heißt aber auch, wenn das Wasser tief genug ist, legt er keinen Damm an, sondern beschränkt sich hier darauf, ab und zu mal Maiskolben oder andere Feldfrüchte zu stibitzen, wenn ihm die zahlreichen tierischen Nutznießer unserer landwirtschaftlichen Flächen oder auch die ansonsten in den Maisfeldern marodierenden Wildschweinrotten nicht zuvorkommen.

Das ist auch eine gute Nachricht für die Weser- und Leineschifffahrt, die Schiffe dürfen weiterfahren und es müssen keine „Biberdammbrecher“ vorausfahren, Jungs gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Sodele, ich hoffe, ich konnte die Frage nach dem Warum in aller gebotener Kürze beantworten.

Etwas länger beantwortet diese Frage eine veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2018

Das bayerische Landsamt für Umwelt hat hier im Jahr 2018 eine Forschungsarbeit zu dem Thema Biberdämme und Ihre Wirkung auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern in Bayern veröffentlicht. Dort ist der Biber flächendeckend vorhanden und man geht in vielen Bereichen schon von einer gleichbleibenden Populationsentwicklung aus, da alle möglichen Reviere mittlerweile besetzt sind, hier also kein weiteres Ansteigen der Biberpopulation möglich ist.

Im Rahmen dieser Forschungsarbeit wurde versucht ein Typisierungsmodel zu entwickeln mit denen die Wahrscheinlichkeit eines entstehenden Biberdammes vorhergesagt werden kann.

Entscheidungsbaum Typisierungsmodell Die Wirkung des europäischen Bibers auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern Bayerns (Bayerisches Landesamt für Umwelt 2018)

Dieses Typisierungsmodell wurde soweit in Bayern laut dem Bericht an 226 Dämmen bestätigt und es wurden folgende Aussagen herausgearbeitet:

  • Dämme kommen nur in Fließgewässern vor, deren Breite < 10 m ist.
  • Mehr als 80 % des Dammvorkommens liegt an Bächen mit < 3 m Breite.
  • In rund 95 % der Fälle werden Dämme nur dort errichtet, wo bei ausreichend geringer Gewässer breite unter 10 m ein Gehölzsaum vorhanden ist

In der Regel, so führt es die Studie weiter aus, Finden in den betreffenden Gewässern Dammbauaktivitäten im Spätherbst und Frühsommer statt.

Wie ist denn das mit dem Biberdamm? Woraus wird der denn überhaupt gebaut und steht der dort dann immer?

Der Biber baut also zuerst einmal seinen Damm, wenn der Wasserspiegel nicht ausreicht um seinen Bau zu schützen. Aber er kann auch zusätzliche Dämme errichten um sich weitere Nahrungsquellen oder Gehölzzonen zu erschließen. Besonders in Gewässern deren Gewässertiefen Ihm nicht ausreicht, sind es oft mehrere Dämme die er aufbaut um weitere Bereiche zu erschließen, die bayrische Studie spricht hier von 6-7 Dämmen im Durchschnitt je Revier.

Unter den Handwerkern gibt es sowohl gute Handwerker, als auch schlechte Handwerker, junge Gesellen und Altmeister, welche vielleicht der gewohnten Ruhe und Professionalität oder dem Schwung der Jugend der Kunst des gepflegten Dammbaues nachkommen, so er denn nötig ist.

Ja, der Blick nach Bayern lohnt auch hier mal wieder.

Generell sind Biberdämme durchlässig und – um das nicht zu vergessen- an eine gewisse Wassertiefe, aber auch an eine Höhe des Wasserstandes angepasst, sonst würde die Wohnhöhle ja überspült, die Dämme bestehen aus verschiedenen Gehölzen, welche oberhalb des Dammes gefällt und dann in den Damm eingebaut werden.

Hier ist es so, dass der Damm nur bis zu einer gewissen Höhe errichtet wird und zwar so hoch, dass der Eingang des Baues unter Wasser ist, Der Bach steigt also bis zu dieser Höhe an und über- oder umflutet dann den Damm, auch ist der Damm selber durchlässig, je länger der Damm an seinem Ort vorhanden ist, je durchlässiger ist dieser.

In Bayern werden die Dämme im Schnitt 4-5 Jahre alt, bis dann ein Hochwasser diesen Damm wegspült oder ein anderer Bau gewählt und der Damm nicht mehr durch den Biber instandgehalten wird.

Die durchschnittliche Höhe des Dammes sind die schon besagten 0,7m über der Gewässersohle (das war ja die Wassertiefe, die der kleine Nager anstrebt)

Jetzt ist es so, das anders als bei einem künstlichen durch Menschen geschaffenen Bauwerk, der Damm des Bibers nicht immer auf Haltbarkeit ausgelegt ist, manchmal hält er den Druck durch das ansteigende Wasser im Bach, infolge der Schneeschmelzen nicht stand oder das Wasser eines Sturzregens spült in dahin.

In diesem Falle baut der Biber an gleicher Stelle einen neuen Damm und da er fleißig ist und er seinen Wohnbau unbedingt schützen möchte, in sehr kurzer Zeit,

Aber was heißt das denn nun eigentlich in der Praxis?

Ja, jetzt würde ich hier ja gerne aus dem Nähkästchen plaudern, aber das geht ja nun nicht.

Glücklicherweise hilft mir auch hier die wissenschaftliche Zunft aus der Patsche.

Dieses Thema wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit untersucht und dann veröffentlicht.

Es handelt sich um die Forschungsarbeit zum Thema „Ökosystemdienstleistungen des Bibers in Fließgewässersystemen an„, verfasst wurde diese von Dania Vaas und Julia Niebler im Jahre 2019, beide Studierende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Studiengang „Landschaftsarchitektur“.

Vielen Dank für die Aufbereitung und Darlegung der objektiven Dienstleistungen, die der Biber hier kostenlos der Gesellschaft zur Verfügung stellt.


Die in der Studie ausgewerteten Daten über die Nährstoffeinträge von ackerbaulichen Flächen in Fließgewässer, insbesondere in den Bereichen, in denen die Felder bis an den Gewässerrandstreifen heranreichen, beziehen sich auf Bayern.
Die Damen und Herren der lokalen, landwirtschaftlichen, bodengebundenen
Produktionsstätten wissen ja selber, was da so an Nährstoffen in
Form von Dünger dem Boden zugeführt wird.
Das ist sicherlich bei uns ganz anders ;).

Ich freue mich hier über vergleichbare Messungen in Fließgewässern, über den Eintrag von Phosphor, Stickstoff oder Pflanzenschutzmitteln, Nitrat versickert ja direkt ins Grundwasser, das ist also für den Fluss erst mal kein Problem, für das Grundwasser auf jeden Fall.

Übrigens, Hecken und kleinere Felder wirken der Bodenerosion entgegen und entlasten auch im Winter den Winterdienst, wenn dieser mal wieder Schneeverwehungen der Felder von den Straßen in Dauerschleife freiräumen muss, während Nebenstrassen dann halt aus diesem Grund einfach nicht geräumt werden können.

Ein weiterer Aspekt der zu berücksichtigen ist, das man auch viel Geld sparen kann, wenn weniger Phosphor in den Bach gespült wird, dann wird mehr vom Boden aufgenommen oder es muss weniger aufgebracht werden und ggf. steht dieses dann sogar für das Wachstum der Ackerpflanzen zur Verfügung, kleiner Tip, das ist bei Nitrat genauso.

Wenn also weniger Geld für den Dünger ausgegeben werden muss, dann bleibt mehr in der Tasche.

Wie auch immer! Die Studie stellt hier zum einen fest, das der Biberdamm einen Teil der Einträge herausfiltert, da sich vor dem Biberdamm Sedimente ablagern, in denen Stickstoff und Phosphor gebunden ist.

Im weiteren stellt die Studie auch fest:

Durch die langsamere Strömungsgeschwindigkeit infolge des Dammes, regeneriert sich der Grundwasserspiegel.

Total gut! Wenn in den trockenen Sommern mehr Wasser im Boden ist, wächst das Gras oder auch der Korn besser, bleibt also wieder mehr Geld im Beutel.

Und dann fällt in der Studie noch dieses Wort „Retention“.

Hier geht es darum, das durch Biberdämme in den oberen Bereichen unserer Gewässereinzugsgebiete zählen. auf einmal bei Starkniederschlägen Wassermassen zurückgehalten werden, welche nicht so schnell die unteren Bereiche der Flüsse anschwellen lassen, wie praktisch. Ein dynamisches natürlich Hochwasserschutzsystem mit einem Puffer, so das hier die Hochwasserwelle über einen längeren Zeitraum abgeflacht wird.

Super! Das ist ja nun das was wir brauchen, das Wasser bricht nicht in voller Flut in die Täler und Hauptflüsse, sondern wird über einen größeren Zeitraum langsamer eingeleitet.

Den weiteren Teil der Studie mit Artenvielfeld und Biodiversität infolge von wertvollen ökologischen Strukturen als Resultat von verschiedensten Einflüssen die der Biber auf seine Umgebung ausübt spare ich mir.

Das Landschaftsbild wertet der Neuankömmling jedenfalls deutlich auf, wie man an einigen Stellen in unserer Region bereits sehen kann.

Tja so, da stehen Sie die schönen Zeilen, möge sich jeder raus suchen was er denn dort für sich raus lesen mag.

Am Ende des Tages ist es so, das die Grundwasserpegel sinken, aber die extremen Starkregenereignisse zunehmen, das ist das was seit spätestens den 90er Jahren messbar und erlebbar ist und der Biber einzelne Gewässer mit Dämmen versieht, die den Wasserspiegel um durchschnittliche 70 cm anheben, was dem weiterhin sinktenden Grundwasserspiegel hier entgegen wirkt.

Quelle Starkwetterereignisse: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/klimawandelkompakt/klimafolgen/klimafolgen_in_niedersachsen/klimafolgen-in-niedersachsen-182052.html

Quelle Grundwasser: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/wasserwirtschaft/grundwasser/veroffentlichungen/publikationsreihe_grundwasser/publikationsreihe-grundwasser-198537.html

Man kann beobachten, das viele Bäche im Schaumburger Land einfach trocken fallen, die Quellen versiegen, die Zuflüsse zu unseren größeren Flüssen nehmen ab und damit fehlt auch Wasser in der Landschaft, welches für die Vegetation und auch für den guten alten Ackerbau nicht zur Verfügung steht.

Die Einen wollen jetzt halt Wasser aus dem Boden pumpen, tolle Idee, wenn gleichzeitig die Grundwasserregeneration abnimmt, dann hilft es richtig hier noch weiteres Wasser im größerem Stil dem Grundwasser zu entnehmen und auf die Flächen zu verteilen.

Da möchte ich noch nicht mal weiter an die kommunalen Oberflächenentwässerungsnetze denken, ob die mit diesen Schwankungen kla kommen, und dann auch noch die Regenwassermengen neuer Baugebiete aufnehmen sollen. Das sollen die Gewässeringenieure prüfen, die haben zumindest mehr Ahnung davon als ich, zumindest das NLWKN sieht hier Handlungsbedarf, der schon lange berücksichtigt werden sollte.

https://www.nlwkn.niedersachsen.de/klimawandelkompakt/klimafolgen/klimafolgen-welche-bereiche-sind-betroffen-182010.html

Bereich Siedlungswasserwirtschaft.

Wer diese ganzen Kosten trägt, das sind wir alle, mit höheren Steuern und Belastungen oder falls diese von der politischen Seite als nicht durchsetzbar angesehen werden, dann verbleibt es halt und jeder muss dann für die Sicherheit seines Eigentumes selber sorgen, sowie Einschränkungen im Kauf nehmen oder halt einfach der Dinge harren, die da kommen werden, falls man nicht die Mittel hat finanziell zu reagieren.

Klar ist eins, der Biber kann hier in vielen Dingen unterstützen, und wie bei jeder neuen Art vielleicht nicht sofort reibungslos, aber in den meisten Fällen sind seine Habitate wirksam und nachhaltig.